Erstklassiges Christentum

Vielleicht ist dieser Titel unglücklich gewählt. Nicht selten werde ich nach einer Andacht oder Predigt mit dem Argument Aber es gibt doch kein ‘Zwei-Klassen-Christentum’ konfrontiert. Und tatsächlich sind wir entweder errettet, oder nicht! Entweder sind wir Kinder unseres himmlischen Vaters, oder wir sind es nicht, sind die Gerechtigkeit Gottes in Christus, oder nicht. Insofern gibt es wirklich kein Zwei-Klassen-Christentum. Sobald wir aber in der Familie Gottes sind, müssen wir feststellen, dass die Bibel sehr wohl verschiedene Kategorien von Gläubigen erwähnt und diese auch noch klassifiziert.

So gibt es z.B. geistliche und ungeistliche Christen, gereifte und Babychristen (1 Korinther 3:1-3; Epheser 4:11-15; Galater 6:1). Es gibt Christen, die eine umfassende Erkenntnis ihrer Freiheit in Christus haben und solche, die es (noch) nicht haben (1 Korinther 8:7).

Dabei werden immer zwei Dinge deutlich:

  1. Es gibt durchaus verschiedene Kategorien von Gläubigen.
  2. Die geistlichen, reifen, gelehrten Gläubigen sollen den anderen in Demut und Liebe begegnen, und ihnen helfen.

Wenn ich also über verschiedenen Kategorien oder auch Klassen von Gläubigen schreibe, meine ich nicht gute und schlechte Kinder Gottes, weiße und schwarze Schafe in Seiner Herde. Es geht bloß um die Tatsache, dass manche Christen in ihrem Jüngerschafts- oder Reifeprozess weiter fortgeschritten sind, als andere.

Das bedeutet aber auch, dass diese Christen etwas genießen können, was andere Gläubige eben noch nicht haben. Wie zum Beispiel die in 1 Korinther 8 erwähnte Gewissensfreiheit in Christus!

Dies als kurze Erklärung, wie und warum ich den Begriff Klasse in Bezug auf Kinder Gottes verwende. Nun zu meinem eigentlichen Text.

Die Brüder aber schickten sogleich während der Nacht Paulus und Silas nach Beröa, wo sie sich nach ihrer Ankunft in die Synagoge der Juden begaben. Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.

Apostelgeschichte 17:10-11

Gottes Wort sagt uns, dass die Juden in Beröa edler gesinnt waren, als andere. Das griechische Wort für edler gesinnt beinhaltet in seiner wörtlichen Übersetzung den Gedanken von einem höherem Rang. Es gab also nicht nur etwas, was die Juden dort anders machten, es gab etwas, dass sie besser machten, als die anderen. Was genau machte diese Menschen edler als andere?

Zuerst nahmen sie das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf. Das ist unnatürlich! Wir müssen verstehen, dass die Juden in Beröa mit einer Botschaft konfrontiert wurden, die ihrem religiösen Weltbild fundamental widersprach. Natürlich glaubten sie an Gottes Verheißung, dass Er eines Tages selbst bei ihnen wohnen würde, aber die Lehre, dass Gott selbst in Jesus Mensch wurde und sogar am Kreuz starb, wurde von Juden normalerweise als Gotteslästerung betrachtet.

Unsere Psyche hat eine Art Selbstschutzmechanismus, der dazu führt, dass wir unser vorgefertigtes Weltbild mit aller Kraft erhalten wollen. Sobald wir mit gegenteiligen Informationen konfrontiert werden, werten wir diese oft ab oder versuchen sie sofort zu widerlegen.

Die Juden in Beröa hörten eine Botschaft, die allem, was sie bis jetzt geglaubt hatten widersprach und nahmen sie trotzdem bereitwillig auf. Das ist nicht normal und nicht natürlich, sie mussten sich dazu entscheiden! Sie trafen die Entscheidung, das Wort bereitwillig aufzunehmen.

Wie oft entscheiden wir bei einer Predigt oder Lehre, ob sie uns gefällt oder nicht? Wie oft geht es uns darum, wie die Predigt rübergebracht wurde? Den edlen Juden in Beröa ging es nur um eines: ist es die Wahrheit der Schrift, oder nicht?

Und aus diesem (zweiten) Grund waren sie edler gesinnt als die anderen. Sie forschten täglich in der Schrift (hier das Alte Testament), um zu sehen, ob es sich so verhielte. Einige englische Übersetzungen lesen: …ob es die Wahrheit war. Sie prüften Anhand der Schrift, ob Paulus und Silas die Wahrheit predigten.

Leider sehen wir in diesem Zusammenhang heutzutage drei verschiedene Kategorien von Christen:

  1. Diejenigen, die nichts am Wort prüfen (für uns vor allem das Neue Testament).
  2. Solche, die anhand der Bibel prüfen, ob sie dem Gehörten widerspricht.
  3. Die Christen, die am Wort prüfen, ob es sich wirklich so verhält.

Der 2. und der 3. Punkt scheinen gleich zu sein. Wenn wir genau lesen, erkennen wir den Unterschied. Die Juden in Beröa prüften nicht, ob das Gesagte mit dem Wort Gottes irgendwie vereinbar war. Nein, sie prüften, ob das Wort das Gehörte bestätigte. Sie wollten wissen, ob die Verkündigung wahr oder falsch war!

Leider öffnen sich viele Christen allen möglichen falschen bzw. verdrehten (und damit wieder falschen) Lehren. Gut rübergebracht scheinen sie dem Wort Gottes nicht zu widersprechen. Darum geht es in diesem Text aber nicht… die Frage ist, ob das Gepredigte im Wort Gottes zu finden ist, oder nicht. Wenn ja, Preist den Herrn! Wenn nicht, weg damit!

Ich falle nieder vor deinem heiligen Tempel, und deinen Namen preise ich wegen deiner Gnade und Treue. Denn du hast dein Wort groß gemacht über deinen ganzen Namen.

Psalm 138:2 ELB

Wenn wir alles am Wort Gottes prüfen, leben wir in der höchsten Autorität des Universums… denn Er hat Sein Wort sogar über Seinen Namen erhöht! Das nenne ich erstklassig! Höher und besser geht es nicht mehr! Lasst uns erstklassige Christen sein und die Freiheit genießen, die Christus uns erkauft hat (siehe auch Galater 5:1)

Aber genau wie bei den Juden vor 2000 Jahren braucht es dafür eine Entscheidung von uns. Entscheiden wir uns dazu, alles am Wort Gottes zu prüfen. Treffen wir den Entschluss, zu forschen, zu studieren und so zu lernen. Dadurch wird das Gepredigte zu einem Samen, der von uns bewässert im Herzen aufgeht und Veränderung bewirkt.

Triff diese Entscheidung heute!

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