Die Kirche ist dazu berufen, kirchlich zu sein. Finde dich damit ab!

Gastbeitrag von Sam Kee

Ich sitze gerade in einem Donut-Laden. Ich bin schon oft hier gewesen und niemand hat sich je über diesen Ort beschwert, dass er zu donut-ich wäre. Es ist ein Donut-Laden, also erwartet man auch, dass er donut-ich ist.

Noch nie hat jemand eine Sportveranstaltung als zu sportlich bezeichnet oder eine Bücherei zu büchlich, ein Konzert zu musiklich, ein Flughafen zu flugzeuglich, ein Haus zu häuslich, eine Schule zu schulich, oder ein Krankenhaus zu krankenhäuslich.

Und trotzdem höre ich ständig, „Die Kirche ist zu kirchlich.“

Aber was sollte sie sonst sein? Warum die Doppelmoral?

Warum verdammen wir es, wenn es in der Gemeinde um Jesus, deine Seele, Gott, geistliches Leben, Überführung von Sünde, Himmel, Hölle, Erlösung, Gerechtigkeit und Gericht geht?

Wir haben nichts dagegen, wenn ein Donut-Laden Boston Crème, Zimtschnecken, Apfelbignets und Eclaires anbietet. Mit Marmelade Gefülltes, Glasiertes und Blaubeerkuchen.

Weil manche Gemeinden auf diese Art kultureller Kritik hören, ist manches richtig peinlich geworden. Da manche Kirchen tatsächlich glauben, dass sie nicht „kirchlich“ sein sollten, versuchen sie ihre geistlichen Donuts zu verstecken, wenn du weißt, was ich meine. Man kann als Besucher kommen und ziemlich bequem unterhalten werden, ohne zu sehr mit geistlichen Dingen konfrontiert zu werden. Dann, am Ende, schieben wir ein bisschen Jesus hinterher.

Aber das ist so, als würden wir ins Krankenhaus gehen, damit die Ärzte und Krankenschwestern mit uns herumalbern, ohne sich jemals um unsere körperliche Verfassung zu kümmern. Ganz am Ende, kurz bevor du zum Auto gehst, steckt dir dann eine Krankenschwester ein bisschen Medizin zu – und entschuldigt sich auch noch dafür!

Eigentlich hättest du dringend eine Operation und Infusion gebraucht, aber sie wollten dich halt nicht vor den Kopf stoßen. Sie hatten Angst davor, dir zu sagen, wie krank du bist. Sie wollten nicht intolerant wirken, weil sie doch die einzigen in der Stadt sind, die das Heilmittel haben.

Die Gemeinde tut niemandem einen Gefallen, wenn sie ich weigert, kirchlich zu sein. Die Kirche muss kirchlich sein und sie muss aufhören, sich dafür zu entschuldigen.

Ich werde dich nie davon überzeugen können, wie gut etwas ist, solange ich es vor dir verstecke. Wenn ich möchte, dass du die Schönheit von Bachs erster Suite für Violoncello erfasst, dann muss ich sie dir vorspielen. (Hör sie dir doch hier an!)

Gemeinde, verstecke nicht deine Schrift, deine Sakramente, deinen Dienst, deinen Aufruf zur Buße, deine Anbetung, deine Predigt, deine Klage, deine Dringlichkeit, oder deine Freude in Jesus.

Aber, was wenn Nicht-Christen uns nicht mögen? höre ich immer wieder. Nur weil jemand uns nicht mag, ist das doch kein Grund zu verändern, wer du bist. Okay, wenn du ein Idiot bist, dann bitte, hör damit auf ein Idiot zu sein. Aber hör nicht auf, „die Gemeinde“ zu sein. Wer uns nicht mag, sollte dir nicht vorschreiben, wer du zu sein hast. Das ist so, als würdest du einem Blinden erlauben, jemanden, der sehen kann, durch einen Hindernis-Parcour zu lotsen.

Wenn die Gemeinde wirklich sehen kann, dann muss sie auch den Weg aufzeigen. Sie sollte die Kultur vorgeben, nicht umgekehrt.

Sie sollte den Medien sagen, was cool ist, nicht umgekehrt. Die Gemeinde sollte Trends setzen und sich weigern, nur ein Floh auf dem Rücken eines Hundes zu sein, der einem anderen Organismus das Leben aussaugt.

Hast du die Grausamkeit dieser Welt gespürt? Dem Bösen ins Auge gesehen? Weißt du, wie finster das Leben sein kann? Hast du schon mal einem Menschen in seiner Zerbrochenheit aufgeholfen? Einer gepeinigten Frau die Tränen getrocknet? In das hoffnungslose Auge eines Kindes geblickt? Hör auf damit, Spiele zu spielen, und lauf zu Jesus, so schnell du kannst. Jesus ist unsere einzige Hoffnung. Jesus ist das Heilmittel, das Fest, die Freude, die Lösung, die Bedeutung, der Grund, die Hoffnung, das Leben und der Weg.

Jesus zu präsentieren heißt, die Gemeinde zu sein.

Sei fest. Sei kirchlich. Sei Jesussich. Sei das Licht der Welt.


samuelkeeAutor: Sam Kee
Sam ist Pastor, Autor und Referent. Er ist Gründer des Dienstes Hope Stands.

3 Antworten zu Die Kirche ist dazu berufen, kirchlich zu sein. Finde dich damit ab!

  1. egmontmika sagt:

    War denn Jesus wirklich „kirchlich“ in dem Sinn wie wir dieses Wort gebrauchen? Ist Jesus nachzufolgen und kirchlich zu sein wirklich das Gleiche? Ich glaube, du verwendest diesen Begriff in diesem Sinn, die Kritiker dahingegen, denen du mit dem Artikel widersprechen möchtest, verstehen unter „kirchlich“ etwas anderes, nämlich eine christliche Kultur und Gottesdienstpraxis, die sich durch ihre institutionellen und rituellen Formen von der eigentlichen Jesusnachfolge entfernt hat.

    Liken

    • Alex sagt:
      Verfasser

      Ich stimme zu.

      Der Artikel ist ja aus dem Englischen übersetzt und der Autor und ich waren beide darauf bedacht, das richtige Äquivalent zu den englischen Worten zu finden. Besonders Worte wie „churchy“ waren da eine Herausforderung, da ja gerade im freikirchlichen Raum eher das Wort „Gemeinde“ benutzt wird. „Kirchlich“ passte da einfach besser. Unter anderem auch deshalb, weil aus der ursprünglichen Motivation „Kirche für Entkirchlichte“ sein zu wollen, leider ein Extrem geworden ist, welche jede Verwendung biblischer Bilder und gar das Verwässern der deutlichen Botschaft des Evangeliums zur Folge hat. Es soll aber hier tatsächlich nicht um rituelle Formen gehen, sondern um den biblischen Auftrag, der nunmal ohne Jesus und eine klare Verkündigung nicht erfüllt werden kann.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s